Die Wettiner-Saga 2/3

Die Wettiner-Saga

Akt 2: Luthers Bühne in Wittenberg


Letzte Woche sahen wir, wie Meißen und seine Albrechtsburg von einer verlassenen Residenz zur Wiege des „Weißen Goldes“ wurden. Doch während dort Porzellan gebrannt wurde, entfachte ein Mann elbabwärts ein Feuer, das ganz Europa erfassen sollte. Die Geschichte von Martin Luther klingt oft wie ein Märchen: Ein mutiger Mönch stellt sich allein gegen die mächtige Kirche. Doch die Wahrheit ist ein Meisterstück der Machtpolitik.

Wittenberg war um 1517 nicht einfach nur eine Stadt. Es war die Bühne eines cleveren Strategen: Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen. Ohne ihn wäre Luther nur eine historische Fußnote. Drei Faktoren machten Wittenberg zum Epizentrum des Bebens:

  • Die Bühne (Die Macht): Wittenberg war die Hauptstadt des Kurfürstentums. Als Luther, der Star-Professor an Friedrichs eigener Prestige-Universität, den Papst herausforderte, schützte Friedrich nicht den Rebellen, sondern seine wertvolle Investition. Er nutzte die Causa Luther, um seine eigene Macht zu demonstrieren.
  • Das Drehbuch (Der Geist): Friedrichs Universität „Leucorea“ war ein geistiges Kraftzentrum. Luthers Thesen fielen hier auf den perfekten Nährboden für eine kritische Debatte.
  • Der Verstärker (Die Elbe): Wie wurde aus der Debatte eine Revolution? Durch Logistik! Die Elbe, dieser „Highway des Mittelalters“, transportierte die frisch gedruckten, brisanten Schriften in die ganze Welt.

Luther lieferte die zündenden Worte, aber Friedrich der Weise baute die Bühne, schrieb das Drehbuch und sorgte für die Übertragung. Es war ein perfektes, machtpolitisches Zusammenspiel.

Ihre Spurensuche in Wittenberg

Wenn Sie heute in Wittenberg an der Tür der Schlosskirche stehen, sehen Sie nicht nur einen heiligen Ort. Sie stehen am Tatort eines politischen Meisterstücks. Versuchen Sie, hinter dem theologischen Disput die unsichtbaren Fäden der Macht zu erkennen, die Friedrich von hier aus zog.

Doch dieser Triumph der Wittenberger Linie der Wettiner säte den Keim für Neid. Ein anderer Zweig der Familie wartete im Süden, in Dresden, auf seine Chance, die Macht an sich zu reißen. Und er sollte sie bekommen.
Das dramatische Finale folgt nächsten Sonntag, am 9. November, in Akt 3.

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