Die Wettiner-Saga
Akt 1: Das Luxus-Problem von Meißen
Bevor wir unsere Reise beginnen, eine Warnung…
Vergesst für einen Moment alles, was ihr über sächsische Geschichte zu wissen glaubt. Dies wird kein trockener Spaziergang durch staubige Archive. Die Geschichte, die ich euch in den nächsten drei Wochen an den Ufern der Elbe erzählen werde, ist ein Drama in drei Akten. Eine epische Familiensaga voller Ehrgeiz, genialer Schachzüge und schicksalhafter Wendungen.
Stellt euch das einmal vor: Der Duft von frischem Mörtel liegt noch in der Luft. Hoch über der Elbe thront das modernste und prunkvollste Bauwerk seiner Zeit – die Albrechtsburg. Ein Statement aus Stein, das der ganzen Welt zurufen soll: Seht her, das ist die Macht der Wettiner! Doch kaum sind die letzten Gerüste gefallen, geschieht, was in den besten Familien vorkommt: Man streitet sich ums Erbe.
Bei der „Leipziger Teilung“ 1485 wird das Land unter den Brüdern Ernst und Albrecht aufgeteilt. Der Bauherr Albrecht entscheidet sich für Dresden als neue Residenz. Und sein Meisterwerk in Meißen? Es wird über Nacht zu einer steingewordenen Verlegenheit. Ein brandneues, ungenutztes Luxusschloss.
August ist im Rausch. Dieses Geheimnis muss geschützt werden! Er braucht einen Ort, der uneinnehmbar ist, eine Festung, einen Hochsicherheitstrakt. Und da fällt sein Blick auf die alte, leere Burg in Meißen. Perfekt. 1710 wird die Albrechtsburg zur ersten Porzellan-Manufaktur Europas. Nicht, weil sie so schön war, sondern weil sie das ideale Gefängnis für ein unbezahlbares Geheimnis war.

Ihre Spurensuche in Meißen
Wenn Sie heute durch die prunkvollen Säle der Albrechtsburg gehen, achten Sie auf diese doppelte Geschichte. Fühlen Sie noch den Hauch der verlassenen Residenz? Seht ihr die Spuren der fieberhaften, geheimen Produktion, die hier stattfand?
Doch während Meißen zur Schatzkammer wurde, verlagerte sich das wahre Machtspiel bereits elbabwärts. Dort, in Wittenberg, sollte eine Idee die Welt erschüttern – und sie überlebte nur aus einem einzigen Grund…
Mehr dazu nächsten Sonntag, am 02. November, in Akt 2.

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