Es ist Zeit

Ein letzter Blick in den Rückspiegel: Mein Abschied vom Taxialltag

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Wegbegleiter,

nach mehr als 25 Jahren im fahrenden Gewerbe Dresdens ist es an der Zeit, ein bedeutendes Kapitel in meinem Leben zu schließen: das des Taxifahrers. Heute möchte ich Sie mit auf eine kleine Zeitreise nehmen, von den Anfängen als Chauffeur bis zu meinem heutigen Entschluss.

Die Anfänge als Chauffeur – Zwischen Luxuslimousine und Widerstand

Alles begann vor über einem Vierteljahrhundert bei der damals neu gegründeten Firma „8×8“. Mit viel Motivation stiegen wir in den Dienstleistungssektor der Fahrgastbeförderung ein. Um als Chauffeur arbeiten zu dürfen, war damals eine umfassende Ortskundeprüfung erforderlich, ein mehrtägiges Seminar mit anschließender Prüfung, das heute in dieser Form nach der Änderung des Personenbeförderungsgesetzes nicht mehr existiert.

In meiner schwarzen Limousine führte ich lukrative Auftragsfahrten durch und verfolgte einen Servicegedanken, der weit von den Vorstellungen eines klassischen Taxibetriebs entfernt war. Das brachte mir und unserem Unternehmen die ständige kritische Beobachtung und spürbare Ablehnung der etablierten Taxifahrer ein. Diese Erfahrung bestärkte mich letztendlich darin, eine neue Chance zu ergreifen. Ich bekam in der Limousine einen Arbeitsplatz in der gerade eröffneten Gläsernen Manufaktur von Volkswagen angeboten.

Ein sicherer Hafen und die Rückkehr aus Leidenschaft

In der Gläsernen Manufaktur fand ich für viele Jahre einen hervorragenden Arbeitsplatz mit gutem Gehalt und ausgezeichneten Sozialleistungen. Doch das Fahren ließ mich nie ganz los. Einige private Schicksalsschläge führten dazu, dass ich nebenbei wieder als Chauffeur tätig wurde, vorerst bei prestigeträchtigen Veranstaltungen wie der Sportlergala, dem Semperopernball, der Hope Gala oder der Dresdner Schlössernacht. Der Spaß und die Freude an dieser Tätigkeit machten es zu einem lukrativen Nebenjob im Taxigewerbe, da mein einstiger Unternehmer aus der Mietwagenbranche inzwischen zu einem der größten Taxiunternehmer Dresdens geworden war.

Vollzeit auf der Straße: Aus der Not eine Tugend machen

Im Jahr 2015 endete das Kapitel Gläserne Manufaktur durch konzernpolitische Entscheidungen bei VW, und meinen vermeintlich sicheren Arbeitsplatz verließ ich genauso, wie meinen Job heute, in die Geschichte. Plötzlich war ich frei. Ich versuchte zunächst, mein sportwissenschaftliches Wissen beruflich zu etablieren und gleichzeitig Taxi zu fahren. Doch die Bilanzen zeigten schnell, das zwei anspruchsvolle Jobs sich nicht mit einer gesunden Work-Life-Balance vereinbaren lassen .

Ich traf die Entscheidung, mich voll und ganz auf meine Tätigkeit als Taxifahrer in Dresden zu konzentrieren.

Die beste Entscheidung: Die Verbindung von Taxifahrer und Gästeführer

Um meinen Gästen mehr als nur eine angenehme Fahrt von A nach B zu bieten und einen besseren Service zu etablieren, absolvierte ich die Ausbildung zum Gästeführer. Aus heutiger Sicht war das die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Vereinigung von Taxifahrer und Gästeführer im Dienste der Gastfreundschaft in Dresden als Standard gelten sollte.

In den letzten Jahren habe ich durchschnittlich 80.000 Kilometer pro Jahr zurückgelegt. Das sind unzählige Fahrten in und um Dresden, durch Sachsen, Deutschland und sogar ins benachbarte Ausland. Es waren zehn intensive und schöne Jahre im Gastgewerbe, in denen ich Freundschaften geschlossen, Stammfahrgäste gewonnen und unvergessliche Situationen erlebt habe.

Der Blick nach vorn

All diese Erfahrungen haben mich persönlich weitergebracht und lassen mich nun mit einem Gefühl der Dankbarkeit das Kapitel „Taxifahrer“ abschließen. Mit großer Neugierde schaue ich nach vorn, immer auf der Suche nach neuen Wegen, um für mich und meine kleine Familie einen Mehrwert zu schaffen.

Ich danke von Herzen all jenen, die mich auf diesem Weg begleitet haben.


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