Liebe Kolleginnen und Kollegen, Chauffeure und Profis am Steuer,
mein Name ist Alexander Noack. Wie viele von Ihnen bin ich seit Jahren im Dresdner Gastgewerbe und in der professionellen Personenbeförderung zu Hause. Wir teilen die gleiche Leidenschaft: Menschen sicher, pünktlich und mit höchstem Komfort an ihr Ziel zu verbringen. Wir sind die diskreten Begleiter, die vertrauenswürdigen Experten hinter dem Steuer, das Aushängeschild für exzellenten Service.
Doch heute möchte ich über ein Thema sprechen, das oft unterschätzt wird, aber über unsere gesamte Karriere und die Sicherheit unserer Fahrgäste entscheiden kann: unsere Sehkraft und die behördliche Auflage im Personenbeförderungsschein.
Die trügerische Falle: Führerschein vs. P-Schein
Kennen Sie das? Im Führerschein ist kein Vermerk, keine Schlüsselzahl 01. und man fühlt sich fit, die Sicht scheint klar. Doch im Personenbeförderungsschein, diesem entscheidenden Dokument unserer Professionalität, steht es schwarz auf weiß: „Gültig nur mit Sehhilfe.“
Es ist menschlich, hier in eine Falle zu tappen. „Nur mal kurz zum Bäcker, privat, da brauche ich die Brille nicht.“ oder „Die Augen fühlen sich heute gut an, das geht schon.“ Diese Gedanken sind gefährlich. Sie sind ein Spiel mit dem Feuer.
Warum? Weil die Anforderungen an uns Profis zu Recht höher sind. Unser augenärztliches Gutachten prüft nicht nur, ob wir ein Schild lesen können. Es prüft Kontrastsehen, Dämmerungssehen, das Gesichtsfeld. Das sind Fähigkeiten, die in Bruchteilen von Sekunden über einen Unfall oder eine sichere Bremsung entscheiden. Der Vermerk im P-Schein ist kein optionaler Ratschlag. Er ist das Ergebnis einer professionellen Prüfung und eine bindende rechtliche Auflage.
Mehr als ein Bußgeld – Es geht um alles
Wer ohne die vorgeschriebene Brille fährt, riskiert weit mehr als ein Bußgeld bei einer Kontrolle. Denken wir das einmal konsequent zu Ende:
Stellen Sie sich vor, es passiert etwas. Ein Wildwechsel in der Dämmerung, ein Radfahrer, der plötzlich die Spur kreuzt. Es kommt zum Unfall. Spätestens jetzt schaut die Versicherung ganz genau hin. Und sie wird feststellen, dass Sie Ihre Auflage missachtet haben.
Das Stichwort lautet grobe Fahrlässigkeit. Die Konsequenz? Ihre Versicherung kann Sie in Regress nehmen. Plötzlich haften Sie nicht nur mit Ihrem guten Namen, sondern mit Ihrem gesamten Privatvermögen. Das Auto, das Haus, die Ersparnisse, alles steht auf dem Spiel. Ihre berufliche Existenz, über Jahre mühsam aufgebaut, kann in einem Augenblick zerstört sein.
Und wir haben noch nicht über das Schlimmste gesprochen: die Verantwortung für die Menschen, die uns ihr Leben anvertrauen. Ein Fahrgast, der verletzt wird, weil wir nicht optimal sehen konnten, dieser Gedanke ist unerträglich. Er widerspricht allem, wofür wir in unserem Beruf stehen.
Ihre Brille ist Teil Ihrer Uniform
Lassen Sie uns die Perspektive ändern. Sehen wir die Brille nicht als Last oder als Zeichen einer Schwäche. Betrachten wir sie als das, was sie ist: ein professionelles Werkzeug. Genauso wie unser gepflegtes Fahrzeug, unser tadelloser Anzug und unser Wissen über die besten Routen der Stadt.
Sie ist ein aktiver Beitrag zur Sicherheit. Sie ist das sichtbare Zeichen unserer Professionalität und unseres Verantwortungsbewusstseins. Wer sie trägt, zeigt: Ich nehme meinen Beruf und die Sicherheit meiner Fahrgäste ernst.
Mein Appell an Sie als Kollege:
- Keine Kompromisse: Tragen Sie Ihre Sehhilfe bei jeder Fahrt. Egal, ob mit Fahrgast oder auf dem Weg nach Hause. Machen Sie es zur Gewohnheit, zur Routine, zum Automatismus.
- Schaffen Sie Klarheit: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Dokumente übereinstimmen. Ein kurzer Gang zur Behörde, um die Auflage auch im Führerschein eintragen zu lassen, schafft Rechtssicherheit und beseitigt jede Grauzone.
- Seien Sie ein Vorbild: Sprechen Sie mit Kollegen darüber. Fördern wir gemeinsam eine Kultur der hundertprozentigen Sicherheit und Verantwortung.
Unsere Fahrgäste geben uns das Wertvollste, was sie haben: ihr Vertrauen. Sorgen wir jeden Tag, bei jeder Fahrt, mit jedem Blick durch eine klare Scheibe und eine scharfe Brille dafür, dass wir dieses Vertrauen verdienen.
Bleiben Sie sicher und fahren Sie verantwortungsvoll.
Ihr Alexander Noack

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